Erste Stuhltransplantation bei rezidivierender Clostridium-difficile-Infektion bei einem Kind

(06.02.2020)

Saalfeld. Clostridium difficile sind schädliche Bakterien, die sich vor allem nach längerer Einnahme von Antibiotika im Darm stark vermehren und verschiedene Giftstoffe ausscheiden, die eine Darmentzündung mit schweren Durchfällen verursachen. Am häufigsten treten Clostridium-difficile-Erkrankungen bei älteren Patienten auf. Eine rezidivierende (in Abständen wiederauftretende)  derartige Infektion bei einem Kind gilt als Seltenheit und tritt meistens im Zusammenhang mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn) auf, die sich manchmal sehr früh in der Kindheit manifestieren kann.

Im Januar wurde in den Thüringen-Kliniken in Saalfeld ein 15jähriger Patient mit Morbus Crohn und therapierefraktärer Clostridium-difficile-Infektion stationär aufgenommen. Die Infektion konnte mit keinen zugelassenen Antibiotika erfolgreich behandelt werden. Nach Versagen sämtlicher antibiotischer Therapien wurde auf Wunsch der Eltern bei dem jungen Patienten eine fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) durchgeführt. Die FMT, die über eine Koloskopie erfolgte, hat der Patient sehr gut vertragen, so dass er zwei Tage nach der stationären Aufnahme wieder entlassen werden konnte. Die bakteriologische Stuhluntersuchung, die rund zwei Wochen später durchgeführt wurde, zeigte keinen Hinweis für das Vorliegen einer Clostridium-difficile-Infektion. 

Kästner-Konturekvergrößern Chefarzt Professor Dr. med. Peter Konturek (links) von der Klinik für Innere Medizin II und Chefarzt Dr. med. Robert Kästner von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Foto: Stephan Breidt Bei dem jungen Patienten lagen viele Risikofaktoren für diese gefährliche chronische Darmentzündung vor: Neben dem Morbus Crohn beim Patienten auch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung bei der Mutter. Die Geburt erfolgte mittels Kaiserschnitt, Stillen war nicht möglich. Allerdings mussten im ersten Lebensjahr bereits sehr viele Breitbandantibiotika eingesetzt werden.
Die FMT wurde durch Chefarzt Professor Dr. med. Peter Konturek und sein Team durchgeführt. „Aus meiner Sicht ist dieses Ergebnis ein großer Erfolg, zumal sich die Clostridium-difficile-Infektion bei CED wesentlich schlechter behandeln lässt, als bei Patienten ohne diese chronische Darmentzündung“, so Professor Konturek.
Diese spezielle Behandlung war in den Thüringen-Kliniken möglich, weil die Zusammenarbeit zwischen der Klinik für Innere Medizin II (Chefarzt Prof. Dr. med. Konturek) und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (Chefarzt Dr. med. Kästner) seit Jahren optimal läuft. In der endoskopischen Abteilung werden häufig kleine Patienten vom Ärzteteam der Klinik für Innere Medizin II behandelt.  

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